Mein Ich und das große A.

Da ich bestens gelaunt bin, nehme ich mir mal heute ein sehr heikles Thema vor. Jeden Falls einen Aspekt davon. Die Angst zur Therapie zu gehen. Was man immer wieder hört, ist die Befürchtung ein anderer Mensch zu werden. Quasi seine Persönlichkeit zu verlieren, eine Gehirnwäsche sozusagen.
Auch ich hatte diese Angst. Nach langem hin und her musste mir mein damaliger Therapeut sogar versprechen, dass ich mich nicht um 180° drehe. Ich wollte unter keinen Umständen jemand werden, der mit rosa Brille durch die Gegend läuft, in den Wald geht, Bäume umarmen oder barfuss durch die feuchte Morgenwiese hüpft um Blumen zu riechen. Achtung, nichts gegen jene Leute, jeder nach seiner Façon …
Nur für mich wäre das nichts. Ich konnte die Ungerechtigkeit immer sehen und das kann ich auch Heute noch. Nur habe ich in der Zwischenzeit gelernt, dass man den Hunger auf der Welt nicht wegsaufen kann. Ist ja auch ziemlich blödsinnig. Aber die künstlichen Spaaaaaaßhaber gehen mir immer noch auf die Weichteile und das ist gut so !

Das Ereignis, die Ausräumung meiner Befürchtungen ein Lamm zu werden, begab sich bei einem Besuch in einer Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker. Wir mussten auf Therapie verschiedene Gruppen ausprobieren, eines Abends waren die dran. Dass dies ausgerechnet bei den AA geschehen ist, mag seltsam erscheinen. Aber wie es die AA wohl selber ausdrücken würden, „Gottes Wege sind unergründlich“, von mir aus.

Ein Mann mittleren Alters sollte uns etwas erzählen, über die Zeit nach dem Trinken. Er fing an mit dem Satz, „Also eins sag ich mal lieber gleich, die Arschlöcher sind immer noch Arschlöcher. Und die Probleme sind auch noch Probleme“. Mehr musste ich gar nicht hören und hörte es auch nicht. Ich war froh und grinste vor mich hin.

Die Moral der Geschichte ? Keine Moral. Nur die Info, dass man gut sein Selbst behalten kann, auch nach einer Therapie. Man lernt, wenn man das möchte, besser mit sich selbst klar zu kommen. Wie man das macht ist eine individuelle Entscheidung. Niemand hält einem davon ab sein Leben in Gottes Hände zu legen. Gerne auch das Blümchenriechen. In dieser Angelegenheit heiligt der Zweck die Mittel. Man kann Spass haben, richtigen, Blödsinn erzählen – ernsthaft oder auch richtig böse sein – alles drin.
Ich will so bleiben wie ich bin … kein Grund nicht auf Therapie zu gehen. Du darfst es.

Veröffentlicht unter Finn Grauwal, Zusammenfassung
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